selbstgenähre Gesichtsmaske

Verzögerungen auf der Baustelle durch die Corona-Pandemie?

Die Frage, welche Auswirkungen COVID-19 auf Bautätigkeiten hat, beschäftigt sicher nicht nur uns. Als das Thema aktuell wurde, war unser Haus bereits im Rohbau und zunächst haben wir von unserer Baufirma, ARGE Haus, nichts zum Thema gehört. Trotz Ausgangsbeschränkungen ging die Baustelle erst einmal weiter ihren Gang. Mittlerweile hat sich das Bild für uns etwas aufgeklärt – zumindest für den Moment. Wir haben mittlerweile unter anderem einem Brief von ARGE Haus bekommen und mit einigen Personen gesprochen. Im Folgenden haben wir zusammengetragen, was sich durch die Pandemie und Ihre Auswirkungen für unser Hausbau-Projekt geändert hat und noch ändern könnte.

Direkte Auswirkungen für unser Bauvorhaben

Das Richtfest fällt aus

Die erste Auswirkung für uns war, dass unsere Planung für das Richtfest hinfällig war. Wir hatten glücklicherweise noch kein Catering o.Ä. bestellt und auch noch keine Bierbänke gemietet. Da das Richtfest mitte April stattgefunden hätte, war die Unsicherheit auch in den Wochen davor schon zu groß, so dass unsere Planung nicht über die Recherche von Anbietern hinauskam. Trotzdem waren wir natürlich etwas traurig, denn das hätten wir schon gerne erlebt – wie oft baut man schließlich ein Haus? Als kleines Dankeschön haben wir “unseren” Maurern dann eine Kleinigkeit auf der Baustelle deponiert.

Keine parallelen Arbeiten auf der Baustelle

Wie in allen Bereichen gibt es auch für Bauunternehmen neue Regeln zum Schutz der Mitarbeiter vor COVID-19-Infektionen. Unter anderem werden zusätzliche Hygiene-Maßnahmen empfohlen und der Mindestabstand von 1,5m sollte eingehalten werden. Dies ist allerdings nicht immer möglich, z.B. auf einem engen Gerüst. Entsprechend den Handlungsempfehlungen der BG Bau (Achtung, PDF Link) erlaubt ARGE Haus deswegen nur noch feste Teams von Mitarbeitern auf der Baustelle. Insbesondere dürfen zum Schutz vor der Übertragung des Virus keine Mitarbeiter verschiedener Firmen gleichzeitig vor Ort sein. Das heißt, dass z.B. die Dachdecker der externen Firma nicht zur gleichen Zeit wie die Maurer arbeiten können. Momentan war das noch kein großes Problem, könnte aber natürlich im später Verlauf das Bauvorhaben noch verzögern.

Eingeschränkte Besuchzeiten auf der Baustelle

Die Einschränkung für die verschiedene Firmen gilt auch für uns: Wir sollen unsere Besuch auf die Zeiten außerhalb der regulären Arbeitszeiten beschränken und den Baufortschritt beispielsweise nach Feierabend oder am Wochenende begutachten. Dadurch können wir zwar nicht mehr “live” dabei sein, aber das hatten wir auch bisher nur an einigen wenigen Tagen gemacht, die uns besonders spannend erschienen, etwa als die Kellerdecke montiert wurde. Nun müssen wir uns voll auf die Eindrücke unserer Zeitrafferkamera verlassen.

Bemusterungen mit Maske

Einfache Staubmaske auf KüchenarbeitplatteUnsere erste Bemusterung für den Sanitärbereiche konnte zwar in der Sanitärausstellung stattfinden, allerdings mussten wir eine Maske tragen. Andere Termine, z.B. Absprachen mit unserer Innendesignerin, fanden nur als Videokonferenz oder Telefongespräch  statt.

Risiken

Verzögerungen des Bauablaufs

Auch wenn es bisher noch keine größeren Verzögerungen gab, rechnen wir damit, dass sich unser Bauvorhaben noch verzögern kann. Z.B. ist der Bauleiter weniger flexibel in der Planung der Gewerke, da diese nicht gleichzeitig auf der Baustelle tätig sein dürfen. Das könnte dazu führen, dass bei notwendigen Änderungen am ursprünglichen Bauablaufplan sofort Verzögerungen entstehen. Auch haben wir gehört, dass Firmen Schwierigkeiten haben, ihre Einsatzteams zusammenzustellen, da Mitarbeiter (indirekt) von Corona betroffen sind und etwa zuhause Kinder betreuen müssen.

Wir rechnen aktuell damit, dass Verzögerungen durch die Pandemie auf “unsere Kosten” gehen und keine Vertragsstrafe nach sich ziehen. Nach einem Erlass des Bundesinnenministeriums gilt die Corona-Krise als “höhere Gewalt” und Verzögerungen liegen deswegen nicht in der Verantwortung der Bauunternehmen.

Verlängerte Lieferzeiten

Für uns fängt nun die “heiße Phase” der Bemusterungen an. Es besteht aber die Gefahr, dass viele Produkte nicht oder verspätet geliefert werden. Dies gilt bisher vor allem für Baustoffe aus Italien und Spanien – wo z.B. viele Fliesen produziert werden. Das heißt für uns, dass sich hier wiederum der Bauablauf verzögern kann oder wir uns mit einer kleineren Auswahl begnügen müssen.

Risiken, die uns nicht (mehr) betreffen

Kreditvergabe & Tilgung

Es ist gut möglich, dass die Banken wegen der unsicheren Zukunftsaussichten aktuell etwas vorsichtiger sind und Kreditvergaben kritischer prüfen. Da wir den Vertrag bereits unterschrieben haben, betrifft uns das nicht mehr.

Ein anderes Problem könnte auftreten, wenn unsere Arbeitgeber in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und wir z.B. in Kurzarbeit gehen müssen. Im Extremfall könnte sich dadurch unser Einkommen so stark reduzieren, dass wir die vereinbarten Raten nicht mehr bedienen könnten. Dies scheint aktuell nicht sehr wahrscheinlich zu sein und falls es so weit käme, lassen Banken auch häufig mit sich reden: In der Regel haben sie kein Interesse an einer Zwangsversteigerung o.Ä. und bieten deswegen Stundungen der Raten (maximal 3 Monate) oder Tilgungsanpassungen an.

Einreisebeschränkungen für ausländische Arbeitnehmer

Was im Bezug auf die Spargelernte durch alle Medien ging, ist auch auf vielen Baustellen ein Problem: Ausländische Arbeitnehmer unterliegen plötzlich Einreisebeschränkungen und stehen verspätet oder gar nicht zur Verfügung. Auch dieses Problem betrifft uns zum Glück nicht, denn ARGE Haus hat eigene Angestellte vor Ort und verlässt sich nicht auf Subunternehmer aus dem europäischen Ausland.

Verzögerungen bei Genehmigungsverfahren

Vielerorts sind die Verwaltungen immer noch eher analog unterwegs. Deswegen können die Mitarbeiter nicht optimal im Home Office arbeiten und häufig verzögern sich deswegen Genehmigungsverfahren. Das erhöht natürlich das Risiko, etwa wenn man wie wir den Kredivertrag schon vor Erhalt der Baugenehmigung abgeschlossen hat und eine Verzögerung z.B. bedeuten kann, dass man zusätzliche Bereitstellungszinsen bezahlen muss.

Auch dieses Problem betrifft uns nicht mehr – wir haben unsere Abenteuer mit der Baugenehmigung bereits letztes Jahr erlebt.

Fazit

Momentan führt die Corona-Krise für unsere Baustelle noch zu keinen kritischen Einschränkungen. Wir können weiterhin vor Ort den Fortschritt begutachten und bisher geht alles noch gut voran. Wir stellen uns aber darauf ein, dass der ursprüngliche Fertigstellungstermin eventuell nicht gehalten werden kann. Außerdem müssen wir eventuell auf bestimmte Fliesen o.Ä. verzichten, aber bisher hatten wir eher zu viel als zu wenig Auswahl.

Ein kleiner Vorteil für uns: Dank des durch die Krise niedrigen Ölpreises sind unsere Besuche auf der Baustelle günstiger geworden  😁

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